Transformation Journey zu Gottfried Helnwein – I saw this

28 Juli 2018 / By Transformation Journey

Transformation Journey zu Gottfried Helnwein – I saw this

Text by Julia Weinzettl – What to expect auf einer Reise, die zu einem der größten zeitgenössischen Künstler führt und mit den Leitgedanken Achtsamkeit, Lebensenergie, Glaube und Spiritualität verbunden wird?
20 Personen, verschiedenen Alters, in vielfältigen Stationen im Leben und unterschiedlichen beruflichen Situationen, brachen zur Transformation Journey nach Irland auf. Trotz der mannigfaltigen Charaktere gab es gemeinsame Nenner: das Interesse an Kunst, die Offenheit für Neues, die Freude am Entdecken, die Wissbegierde am Inneren und Äußeren sowie die Liebe zum Reisen. Ebenso bunt waren die Reisebegleiter: Domkapitular Toni Faber, Meditations-Meister P.A. Straubinger und die beiden Veranstalterinnen Mut-Macherin Martina Kapral und Transformations-Coach Nathalie Karré, die durch den Traum von Gegensatz und Verbindung führten.

 

Morgengebet und Meditation.

In der ersten Wahrnehmung passen die beiden Themen nicht zueinander. Gefühlt schien es einen Split zwischen 2 Fraktionen zu geben, die mit dem jeweils anderen wenig anfangen können. Die Reise zeigte, dass beide einander einschließen und einen Bogen spannen zwischen der Geschichte Irlands, dem Weg des Heiligen Patrick und der Reise ins Ich. Anknüpfungspunkte werden gefunden und Annäherung entsteht aus den vielen Perspektiven und den unterschiedlichen Erwartungshaltungen, die eine heterogene Gruppe mit sich bringt. In eindrucksvoller, mystischer Landschaft, herausgerissen aus dem täglichen Leben, beginnt ein Einschwingen der Einzelnen auf eine Gruppe der besonderen Art.

 

Wiederentdecken des Vernachlässigten.

Körper und Bewegung sowie die Wahl unserer Nahrungsmittel ist manchmal nur ein Nebenschauplatz im Alltag. Allein die Aufmerksamkeit darauf zu legen, durch Yogaübungen und Diskussion über Zucker und Heilfasten einen Anstoß zum Nachdenken zu geben, bewirkt ein Rütteln in der Denke und setzt die Planung über tägliche Anwendbarkeit in Gang.

 

Party on – meet Gottfried Helnwein

Der Rockstar Künstler der Gegensätze hütet sein sagenumwobenes Schloss Gurteen de la Poer für seine Familie und seine Arbeit. ‘Access prohibited’ ist die klare Botschaft.
Für die Transformation Journey macht er eine Ausnahme und öffnet die Tore zu seinem Schloß, seinem zu Hause, seiner Familie.

‘Der Dialog mit Menschen ist mir heilig – er ist das einzige, was zählt’ ist eine seiner Botschaften. Und dennoch empfängt er uns nicht nur zum Gespräch, sondern lädt uns ganz in seine Welt ein. Einem unbeschreiblich herzlichen Empfang folgt der Eintritt in das wunderbare, mit viel Liebe, Stil und Weitblick restaurierte Schloss. Familie Helnwein gibt uns das Gefühl, zu Hause angekommen zu sein.

Hinter dem Schloss grasen Pferde, ein verzauberter Feenwald mit Mammutbäumen und riesengroßen Farnen, in dem Gottfried Helnweins Enkel spielen, lädt zur Entdeckungsreise ein. Ein Spaziergang durch die Kathedralengänge des Waldes machen still und demütig. Einblicke in die Geschichte des Landes, des Schlosses und der Familie faszinieren uns. Die Reise geht weiter in Gottfried Helnweins Studio. Gesellschaftskritische, inspirierende Gespräche – Werke, die gerade das Licht der Welt erblicken – eine beeindruckende Reihe von Goyas Werken. Zurück im Haus erwartet uns ein wunderbares Dîner amical, das drei Generationen seiner Familie mit unserer Gruppe verbindet.
Und dennoch sind Tiefgründigkeit und Schrecken über den Zustand der Welt bei Helnweins genauso präsent wie Lebensfreude, Lachen und Feiern. Mit seinen Werken – wie auch derzeit mit der Installation am Wiener Ringturm – hält der Meister der Welt den Spiegel vor. Seine Werke sind viel diskutierter Blickfang, Stein des Anstoßes, als auch ein Statement. ‘I saw this’ – prangt in riesigen Lettern über der Ringturm-Installation. Eine Hommage an Goya, der sich – wie Helnwein – aus dem Geschehen nahm, um den Betrachter durch seine Distanz und emotionsloses Aufzeigen in die Eigenverantwortung zu ziehen. ‘Kunst ist meine Art mich zu wehren’, sagt Helnwein, der in seinem Schloß Altes und Neues vereint. Seine kontroversiellen Bilder sind durch den Rahmen, den das Gemäuer schafft, noch provokanter und berührender.

Kurz nach dem Essen die nächste Überraschung: irische Freunde kommen mit ihren Musikinstrumenten zum Feiern, Singen und Tanzen vorbei. Irischer Céilí Dance wird schnell gelernt und reißt uns in den ausgelassenen Strudel des Abends mit. Der kleinste Enkel tanzt, gemeinsam singen die Kinder mit Sängerin, Schauspielerin und Schwiegertochter Kojii, die ältesten Iren sind die wildesten Tänzer. Ein Potpourri der kreativen Lebensfreude begleitet uns bis in die frühen Morgenstunden. Hier lösen sich die Gegensätze auf und alles ist ein Teil des großen Ganzen.

   

 

An der Quelle.

Die Quelle ist der Ort des Ursprungs, alles, was von diesem ersten Ort kommt, ist unberührt, unverdünnt, essentiell. …und eisig. So der erste Gedanke, wenn das bitterkalte Wasser der St. Patricks Well die Füße umspült. Die Heilkräfte, die ihr zugesprochen werden, sind allumfassend. Die Energie dieses Ortes lädt ein, in einer winzigen, wunderbar verfallenen Kirche des 16. Jahrhunderts unter freiem Himmel die Messe zu feiern. Eine Messe der Dankbarkeit, des Einbeziehens und des geistlichen Angebots, das respektvoll mit der unterschiedlichen Gottesauffassung und Spiritualität der Menschen umging, ohne sich selbst zu verleugnen. Eine Einladung an diesem magischen Ort der körperlichen Heilung, den Druckstellen der Seele und drängenden Fragen des Geistes Raum zu geben. Und dankbar zu sein für das Gute, das uns umgibt.

 

 

The Squad.

Die Vielfalt war die Besonderheit. Aus verschiedenen Ecken des Lebens kommend, in diesen Tagen viel gesehen und erlebt habend, war einstimmig die Gruppenbildung und die Gespräche untereinander in ihrer Tiefe und ihrem Facettenreichtum eine außergewöhnliche und besondere Erfahrung für alle.

 

Erinnern im Innern.

„You can’t show anyone anything he hasn’t seen already, on some level – any more than you can tell anyone anything he doesn’t already know. It is the function of the artist to evoke the experience of surprised recognition: to show the viewer what he knows but does not know that he knows. Helnwein is a master of surprised recognition.“William S. Burroughs

Surprised recognition hat auch diese Reise begleitet, in der Kunst Helnweins und der Begegnung mit ihm persönlich. Und im Besinnen auf die eigenen Geschichten, die manchmal in Vergessenheit geraten. Die Erinnerung an Vergangenes, Verschüttetes, gefolgt von der Überraschung beim Wiedererkennen der Essenz der eigenen Persönlichkeit und dem Wiederfinden von Facetten des eigenen Charakters, die im derzeitigen Leben nicht benutzt oder beansprucht werden und nun wieder neue Kraft und Energie bekommen.
Be whole!

 

TEXT: Julia Weinzettl / Taskfarm
FOTOCREDITS: Bieni Malberg, Julian Knowles, Anna Maria Scherfler & Matteo Karré

Kunst kann man nur mit den Sinnen, der Seele und dem Herzen erfahren. Kunst ist Seelenberühung – näher kann man einem anderen nicht sein.

Gottfried Helnwein
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